b_150_150_16777215_00_http___lh4.ggpht.com__sJD7RbfLGSg_TdzCqujJJVI_AAAAAAAABe4_iW-mkCSei8k_s640_DSCN0025.JPGEinfach unglaublich

Stellen sie sich vor, sie verlangen von Kindern und Jugendlichen, möglichst weite Strecken zu laufen, dafür Geldgeber aufzutreiben, um dann das „erlaufene“ Geld für einen karitativen Zweck zu spenden! Vermutlich würden die meisten annehmen, so etwas könne nicht funktionieren, schon gar nicht „bei der heutigen Jugend“, die ja bekanntlich viel zu bequem und egoistisch sei, um sich vom Fernseher oder Computer wegzurühren.

Weit gefehlt: Diese unglaublich einfache Idee der YoungCaritas funktioniert einfach unglaublich, auch am Gymnasium Freistadt. Die Ergebnisse beim „Laufwunder 2011“ haben sogar die größten Optimisten in Staunen versetzt: Da gibt es Schüler, 11, 12 oder 13 Jahre alt, die einen Halbmarathon laufen oder mehr, die beiden besten Burschen legten 68 Runden zu je 400 Metern zurück, das sind 27,2 km! Eine Schülerin aus einer dritten Klasse lief 65 Runden, die 2.B-Klasse kam mit 27 Runden pro Kopf auf den besten Durchschnitt. In Summe liefen etwa 400 Schüler und einige Erwachsene fast 5700 Runden auf dem Marianum-Sportplatz. Das sind 2280 km, was etwa der Strecke München – Moskau entspricht.

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Der Marathon-Mann

Zugegeben, es war ein prächtiger, ungewöhnlich heißer Frühlingstag, und das „Rahmenprogramm“ wirkte stark motivierend: Die Schüler der Unterstufe durften nach der ersten, die der Oberstufe nach der dritten Unterrichtseinheit auf den Sportplatz. Ein Zugpferd besonderer Qualität war Mag. Christoph Doppler. Spätestens jetzt wissen alle, dass der Professor für Deutsch und Geschichte auch ein herausragender Extremsportler ist. Er drehte den ganzen Vormittag hindurch seine 88 (!) Runden.  „Für einen kompletten Marathon ist es mir nun doch zu heiß“, meinte er gegen Mittag, gab den Schülern fleißig Autogramme auf die roten „Laufwunder“-Kappen, und schwang sich dann auf sein Rennrad, um – so wie jeden Tag - nach Hause zu fahren, nach Oberneukirchen.

 

„I renn ja no!“

Zahlreiche prominente Zuseher mischten sich unter den bunten Schülerhaufen: Der Bürgermeister, der Stadtpfarrer und Vertreter der Caritas erwiesen dem „Laufwunder“ ihre Reverenz. Direktor Duschlbauer tauchte ebenfalls auf, aber nicht nur zum Zuschauen, sondern zum Mitmachen. Er bewies mit 25 gelaufenen Runden wieder einmal seine erstaunliche Kondition. Auch Martin Pröll, einer der besten Langstreckenläufer Österreichs und Olympiateilnehmer 2004, gab dem Gymnasium die Ehre! Er lief einige lockere Runden und war schnell das begehrteste Objekt der Autogrammjäger.

Die einzelnen Jahrgänge starteten im Halbstundentakt, wobei es natürlich erlaubt war, auch länger zu laufen. Dass so viele Schüler den Ehrgeiz hatten, sich wirklich anzustrengen, überraschte dann doch alle. Den Sager des Tages lieferte ein Schüler der 1.C. Der gesamte Jahrgang startete um 9.30 Uhr, um sich anschließend die gelaufenen Runden am Schreibertisch bestätigen zu lassen. Als kurz nach 11 Uhr Prof. Woitsch durch das Mikrophon durchsagte, dass ein Schüler der ersten Klassen nun endlich seine gelaufenen Runden melden soll, ertönte von der Laufbahn die Stimme von Emil Griesmayr: „I renn ja no!“

 

Ein fröhliches Fest

Dass die ganze Aktion nicht bloß eine sportliche Schwitzerei, sondern ein echtes Schulfest geworden ist, geht auf das Konto dreier Schüler aus der 7.B-Klasse, seit langem bewährte Moderatoren bei diversen Schulveranstaltungen. Christoph Pöschko, Klaus Wolf und Philipp Bergsmann führten eloquent und routiniert durch den Vormittag, boten ein Wettbüro an und veranstalteten Jux-Bewerbe: Da liefen plötzlich ein paar Verrückte mit Taucherbrille und Flossen um den Platz, ein Reporter auf dem Fahrrad interviewte sie dabei, an den Beinen zusammengebundene Paare traten gegeneinander an, und aus den Lautsprechern ertönte dazu Lukas Plöchls „Oida, taunz“!

 

Großzügige Unternehmer, Sponsoren und Helfer

Die Liste der Unternehmen, die das „Laufwunder“ am Gymnasium mit Sach- und Geldspenden unterstützt haben, ist lang:

Ein ganz großes „DANKE“ geht an ADEG und BILLA, die Buchhandlung Wolfsgruber, Lokalbühne/Kino Freistadt, das Fitnessstudio TRIMM Fit, Intersport Pötscher, McDonald’s, die Bäckereien Kern und Gusenbauer, Konditorei Poißl, Apotheke Wienerroither, Sparkassen Reisebüro, Rotes Kreuz, Oberbank und Raiffeisenbank Freistadt!

Am 1. Juni wurden diese Spenden im Rahmen einer Preisverleihung an die besten LäuferInnen und SpenderInnen im Turnsaal des Gymnasiums verteilt.

Genauso wichtig aber waren die vielen Mamas und Papas, Omas und Opas, Nachbarn und Verwandten, die bereit waren, unseren sammelnden Schülerinnen und Schülern zum Teil sehr große Geldbeträge zu spenden.

Dass uns Organisatoren das ganze Projekt nicht über den Kopf gewachsen ist, verdanken wir auch jenen Kolleginnen und Kollegen, die uns spontan am Sportplatz und beim Geldsammeln geholfen haben. Ihnen allen ein großes „Dankeschön“!

 

Solidarität als Brücke zwischen Mensch und Mensch

Doch das Wichtigste zuletzt: Das gespendete und „erlaufene“ Geld, die beachtliche Summe von € 13.185,07.-, wurde über die Caritas nach Mostar in Bosnien/Herzegowina überwiesen für die Tagesheimstätte „Emanuel“. Vielleicht noch wichtiger als das Geld selbst ist dabei die Haltung dahinter: Die Bereitschaft, für Solidarität und Hilfe für Notleidende nicht nur schöne Worte zu machen, sondern aktiv etwas zu tun.

Mostar ist benannt nach „Stari Most“, der Alten Brücke über die Neretva, seit Jahrhunderten Symbol der Verbindung zwischen den Bosniern und Kroaten, zwischen Ost und West. Während des Bürgerkriegs wurde sie 1993 zerschossen, mit internationaler Hilfe bis 2004 wieder aufgebaut. Am Gymnasium Freistadt werden Schüler bosnischer, kroatischer und serbischer Herkunft unterrichtet, deren Eltern in den 1990er-Jahren nach Österreich gekommen sind! Wenn nun von unserer Schule aus eine beträchtliche Summe für Menschen mit Behinderung nach Mostar geschickt wird, egal, welcher Religion oder Nation sie angehören, ist das mehr als bloßes Geld: Es ist ein Zeichen der Solidarität, das Hoffnung gibt für eine friedlichere, fröhlichere und menschlichere Zukunft.

Die Erfahrung, dass so etwas an unserer Schule möglich ist und sogar noch großen Spaß machen kann, das war auch für uns als Organisatoren das eigentliche „Laufwunder“ 2011.

 

Und noch etwas haben wir gelernt:

Von so manchem Schüler wissen wir jetzt, warum es ihm so schwerfällt, im Unterricht ruhig zu sitzen: Viel lieber würde er laufen und laufen und laufen und …

 

 

Monika Ortner, Ernst Aigner, Sabine Sommer, Andrea Etzlstorfer

(Organisationsteam)