Film ist die wohl einflussreichste und wirkmächtigste Kunstrichtung der Gegenwart, die in ihrer Bedeutung kaum überschätzt werden kann, gerade weil wir alle von Kindheit an einer kaum reflektierten medialen Bilderflut ausgesetzt sind.

hannas schlafende Hunde

Umso wichtiger und erfreulicher, dass die kritische Auseinandersetzung mit Film an unserer Schule einen hohen Stellenwert einnimmt. Seit Jahren ist eine Gruppe aus dem BG/BRG Freistadt zu Gast bei Österreichs wichtigster Filmschau, der „Diagonale“ in Graz. In diesem Jahr kam sie zurück mit vielen neuen cineastischen Eindrücken, unter anderem mit der Botschaft, dass allen Beteiligten der neue Film von Andreas Gruber, „Hannas schlafende Hunde“, sehr gefallen hat.

 

Die Präsentation des Films schließlich im Freistädter Kino in Anwesenheit des Regisseurs gab den Anstoß, eine Vorstellung für unsere Schule zu organisieren, zumal Andreas Gruber angeboten hatte, eigens für unsere SchülerInnen nach Freistadt zu kommen, um mit ihnen über den Film und generell über seine Arbeit zu sprechen.

Für mich persönlich kam noch ein weiteres Motiv dazu: Ich bin seit dem Studium mit Andreas Gruber befreundet, und schätze sein Schaffen sehr. Wir haben ein Jahr lang im Studentenheim Pfeilgasse in Wien ein Zimmer geteilt.

Am Montag, dem 25. April 2016 war es nun soweit: Die vierten und die siebenten Klassen sahen „Hannas schlafende Hunde“! Hier ist nicht der Ort, den Film nachzuerzählen. Am besten, man schaut ihn sich selber an, oder besser noch: mehrmals. Aber soviel sei verraten:

Gruber lacht

Er erzählt eine feinsinnige, wunderbar gespielte Geschichte, in der am Beispiel einer Familie in Wels im Jahr 1967 gezeigt wird, wie stark die Tabus aus der Kriegszeit immer noch nachwirken, wie die seelischen Wunden und Verwüstungen, die Nazi-Ideologie und Antisemitismus hinterlassen haben, das Leben über Generationen hinweg noch immer prägen und behindern. Zugleich ist es aber auch ein Film mit starken, hoffnungsvollen Szenen, an denen sichtbar wird, wie befreiend es sein kann, alte Tabus aufzubrechen, endlich über die verdrängten Geschichten zu reden.

Wie sich an der Reaktion der SchülerInnen beim anschließenden Gespräch mit dem Regisseur und der Nachbereitung im Unterricht zeigte, hat der Film einen tiefen und nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Im Namen aller Beteiligten darf ich mich bei Andreas Gruber herzlich für sein Kommen bedanken, ihm zu seinem schönen Film gratulieren und für künftige Filmprojekte alles Gute wünschen.

Mag. Ernst Aigner

Andreas Gruber

Andreas Gruber, Jg. 1954, ist Drehbuchautor und Regisseur, und lehrt an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Er lebt in Wels und München.

Zu seinen wichtigsten Filmen gehören u.a. „Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen“ (über die so genannte „Mühlviertler Hasenjagd“), „Shalom, General“, „Besser die Hände gefesselt, als der Wille“ (über Franz Jägerstätter), „Welcome Home“, „Hannas schlafende Hunde“ (nach einem Roman von Elisabeth Escher)